Bereits in Schriften aus dem 4. Jahrhundert vor Christus wird von Methoden der Enthaarung oder der Zubereitung von Haarentfernungsmitteln berichtet. Haarentfernung ist also eine alte Tradition, die bis heute besonders im Mittelmeerraum und im Orient gepflegt wird.
Die Gründe für die Haarentfernung waren nicht immer nur ästhetischer Natur: Sozialer Druck oder religiöse Bräuche veranlassten schon vor über zweitausend Jahren Männer und Frauen aller Kulturen, der Körperbehaarung zu Leibe zu rücken. Früher war das weitaus schwieriger als heutzutage: Es gab weder Rasierer noch Enthaarungscremes. Doch die Menschen der alten Hochkulturen fanden andere Mittel und Wege, um ihre Körper glatt und haarlos zu bekommen.
Von der Muschel zum Rasierer
Forscher entdeckten in altägyptischen Gräbern Hilfsmittel zur Haarentfernung, die zum Teil heute noch im Einsatz sind: Einfache Schnüre, die so über die Haut gedreht werden, dass sich die Haare darin verwickeln und anschließend ausgerissen werden können - ein historisches Epiliergerät. Aber auch Scheren und Messer kamen zum Einsatz und geschliffene Steine und Muscheln dienten als "Rasierapparate". Was wir heute als "Epilierwachsen" bezeichnen und praktizieren, ist eine Methode, die ihren Ursprung im Nahen Osten hat. Aus Zitronensäure, Zucker und Glucose wurde eine Masse geknetet, die auf die Haut aufgetragen und anschließend ruckartig abgezogen wurde. Die Haare blieben kleben und ließen sich dadurch leicht ausreißen.
Naturvölker ließen Haare für die Gesundheit
Die Haarentfernung war nicht nur aus Gründen der Ästhetik erwünscht, insbesondere die Hygiene spielte damals eine große Rolle: Wer weniger Körperhaare hatte, der war auch einem geringeren Risiko des Parasitenbefalls ausgesetzt. Deshalb war die Beseitigung der Körperhaare ein wichtiges Hilfsmittel zur Eindämmung von Krankheiten. Bei den Naturvölkern ist die Haarentfernung kulturell verankert. So wurden zum Beispiel bei den Azteken bereits Haare mit Pinzetten entfernt. Bei den afrikanischen Völkern wurden die zu enthaarenden Hautregionen mit Asche eingerieben. Dies ermöglicht ein schmerzfreies Ausreißen der Haare. Ein Brauch, der übrigens heute noch teilweise angewandt wird.
Europa findet im Hochmittelalter zum haarlosen Chic
Auch in Europa liegen die Wurzeln der Haarentfernung schon sehr weit zurück. Salonfähig wurde die körperliche Haarlosigkeit mit dem Aufstieg des Bürgertums im 12. und 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit hielt die gemischte Badekultur in Europa wieder Einzug und mit ihr die Selbstverständlichkeit der Haarentfernung. Schon in dieser Zeit war die Intimrasur weit verbreitet. Vor allem Frauen höheren Standes entfernten sich die Schambehaarung, um in Bädern ungeniert die Hüllen fallen lassen zu können. Historiker sehen die ausgeprägte Enthaarungspraxis vor allem durch die damalige Buchmalerei belegt. Dort wurden häufig Frauen "unten ohne" abgebildet. Jedoch hinterließ die damalige Methode der Haarentfernung bei manchen Frauen unschöne Nebenwirkungen: Durch das Auftragen einer Masse aus Terpentin und Sirup wurden die Haare so unsanft entfernt, dass die Hautoberfläche stark gereizt wurde oder sogar Narben entstanden.
Haarentfernung heute
Haarentfernung wird heutzutage oftmals als moderner Trend bezeichnet, aber Fakt ist, dass dieser Trend seine Anfänge schon vor vielen Jahrhunderten nahm. Moderner sind jedoch heutzutage die Methoden der Haarentfernung. Schön, dass es inzwischen nicht mehr nötig ist, mit ätzenden Flüssigkeiten oder geschliffenen Muscheln arbeiten zu müssen, um dem unerwünschten Pelz zu Leibe zu rücken.